Wer war St. Ulrich?

Von St. Nikolaus weiß jedes Kind. Zudem ist er auch im Tympanon über dem Eingangsportal als heimlicher Spender von drei Goldkugeln dargestellt, mit denen er drei armen Mädchen die Heirat ermöglichte.

St. Ulrich ist hingegen weniger bekannt und in unserer Kirche leider auch nicht zu entdecken. Daher wenigstens einige Worte zu unserem zweiten Kirchenpatron:

Er wurde im Jahr 890 als Sohn eines schwäbischen Gaugrafen geboren und in St. Gallen zum Geistlichen ausgebildet. Kurz darauf wird er Kämmerer des Bischofs von Augsburg und im Jahr 924 dessen Nachfolger. In der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld im Jahre 955 soll er durch sein beherztes Auftreten und seine Gebete zum Sieg seines Freundes König Otto I. beigetragen haben.

Nach nahezu 50 Jahren segensreichen Wirkens in Augsburg starb er dort hochbetagt am 4. Juli 973, wurde in einem Vorgängerbau der heutigen Basilika. St. Ulrich und Afra begraben und schon 20 Jahre später, erstmals in einem genau festgelegten Verfahren, von Papst Johannes XV. heilig gesprochen.

In Bildern und Skulpturen begegnet er uns auch heute noch, z.B. in Augsburg, ausgestattet mit Bischofsmütze und –stab, einem Buch und seit dem 14. Jahrhundert auch mit einem Fisch, was auf folgende, hier nur verkürzt wiedergegebene Legende hinweisen soll: Es wurde ihm einmal zu Unrecht vorgeworfen, an einem Freitag Fleisch gegessen zu haben. Als man den Rest der angeblichen Mahlzeit, ein Gänsebein, dem Landesherrn überbrachte, um Ulrich des Verstoßes gegen das Fastengebot zu überführen, hatte sich das vermeintliche corpus delicti in einen Fisch verwandelt.

Warum nun der Schutzpatron von Augsburg auch (Mit)-Patron unserer Kirche wurde, könnte m.E. damit zusammenhängen, dass der Patrizier Ulrich Groland auf Oberbürg (gestorben 1404 oder 1407) als Stifter des Kirchenbaues angesehen wird. Nachdem ihm bereits dort ein repräsentatives Hochgrab gewidmet wurde (die verbliebene Grabplatte ist heute in die Ostwand des Nordschiffes eingelassen), lag es nahe, ihm zu Ehren auch seinen Namenspatron zum zweiten Patron unserer Kirche zu erheben.

Henning Knoop