Brutal.natürlich – „Friedhofsrebell“

Wie schön kann doch „Friedhof“ sein. Im Vordergrund steht ganz klar das Gedenken an unsere lieben verstorbenen Angehörigen. Das Ehren und Bewahren ihres Andenkens, und die Gewissheit sie durch Gottes Gnade in einer neuen, anderen Welt zu wissen. 

Friedhof bietet uns auch Ruhe, Raum zum durchschnaufen und verweilen. Wir finden hier eine kleine, in vielen Teilen naturbelassene Insel am Rand einer Großstadt die eine gewisse Aufenthaltsqualität bietet. An alten Grabsteinen machen sich Moose und Flechten breit. Aufgelassene Gräber bleiben weitgehend ungemäht und sind mit wilden, heimischen Pflanzenarten bewachsen. An geeigneten Stellen werden bewusst Blühflecken angepflanzt und unterhalten. Im Ergebnis zeigt ich eine bunte Biodiversität in Form von Schmetterlingen, Bienen und vielem anderen, das um und durch die Blüten schwirrt. Im Boden und abgestorbenen Pflanzenteilen nisten die verschiedensten Insektenarten oder suchen dort Schutz.

Eine Freude! Eine Freude? Mir ist durch viele Gespräche und Beobachtungen auch bewusst, dass so einige Vertreter der göttlichen Schöpfung, die hier im Friedhof leben, uns auch Sorgen und Zorn bereiten. Mäuse unterhöhlen den Boden, Maulwürfe knabbern Wurzeln an und ihre Erdauswürfe ärgern uns. Schnecken laben sich am satten Grün. Das alles ist so, gehört so, und lässt sich auch nicht so einfach ändern. Es ist eben eine Nachbarschaft und Lebensgemeinschaft wie wir sie in anderen Bereichen, wo das Nehmen gefühlt viel größer ist als unser Geben, wohl auch kennen.

Das ist einfach gesagt und sorgt auch immer wieder für Kontroverse. Ganz aktuell haben wir es allerdings mit tierischen Besuchern zu tun, die um einiges größer sind als die putzigen Eichhörnchen, die früh morgens die Friedhofsmauer als Highway benutzen um im weit aufgesperrtem Maul grüne Walnüsse von einem Ende zu anderen zu transportieren. Jetzt können und dürfen wir einfach nicht mehr zusehen und müssen eingreifen. Täglich sind ganze Gräber umgewühlt, Pflanzen ausgerissen und ganze Beete umgepflügt. Ein Geschöpf das wir noch nicht identifiziert haben gräbt auf der Suche nach Nahrung riesige Löcher in Grabstätten und verteilt die Erde auf den Wegen dazwischen. Die betroffenen Grabbesitzer sind tief erschüttert und mittlerweile verzweifelt. Unter den Friedofsbesuchern, den Gärtnern vor Ort, und mir herrscht reger Austausch über die Art des Eindringlings und dessen Bekämpfung. Es ist mir klar, dass die nächtlichen Invasionen und Verwüstungen in diesem Ausmaß wie wir sie jetzt erleben, so nicht hingenommen werden kann. 

Ich habe mich nun in Verbindung mit dem Stadtjäger des Nürnberger Ordnungsamtes in Verbindung gesetzt. Mit ihm zusammen möchte ich eine Lösung suchen, die für den tierischen Eindringling sowie den Friedhofsbetrieb gleichermaßen hinnehmbar ist. Das äußerste Mittel gegen die göttliche Kreatur möchte ich freilich nicht anwenden. Eine Bejagung würde unserer Gesinnung und der besonderen Widmung dieses Ortes grundsätzlich widersprechen. Ich hoffe Sie in einer der folgenden Ausgaben des Kirchturm über neue, positive Ergebnisse unterrichten zu können.

Dirk Häcker